Der Tälli-Klettersteig

Der älteste Klettersteig der Schweiz

Der Tällisteig bei Gadmen ist die älteste Via Ferrata der Schweiz. 1993 eröffnet schlängelt sie sich wunderbar durch die Südwand der Gadmerflue. Der Steig ist eher alpin, hat recht wenig Eisen (immer noch mehr als genug) und ist herrlich angelegt. Niemals zu schwierig, kann er auch mit Klettersteig-Einsteigern (die vielleicht erst wenige Touren gemacht haben) bewältigt werden. Dennoch ist er eine B/C oder K3 in der Bewertung, somit als ziemlich schwierig einzustufen.

Der Zustieg dauert ca. 1 Stunde und führt von der Bergstation der Tällibahn über einen alpinen Weg (teilweise versichert, aber unschwierig) zum Einstieg. Bereits jetzt lässt sich erahnen, wie genial das Bergpanorama zu Sustenhorn, Schreckhorn, Finsteraarhorn und Konsorten sein wird.

Der Weg zum Einstieg führt über etliche Höhenmeter und zwei Mini-Gipfel
Eine der versicherten Stellen beim Zustieg, unschwierig

Zum Einstieg recht sanft

Wir starten genüsslich in das Via Ferrata Abenteuer. Der Einstieg beginnt steil mit einer Leiter, wird dann aber harmloser. Erste Stifte und Klammern helfen weiter. Sofort kommt alpines Feeling auf, auch wenn es hier und da noch Gras hat.

Es geht über ein paar Bänder weiter bis zu einer Rinne, die herrliche Kraxelei bietet. Das bringt Freude und Genuss. Gleich danach folgt wieder ein sehr einfaches Band und schon sind wir bei der ersten Rastmöglichkeit. Hier hat es Sitzgelegenheiten, um die herrliche Aussicht zu geniessen. Das erste Drittel des Steiges ist nun geschafft.

Von hier geht es zunächst recht einfach weiter bis zu einer Leiter, die wir problemlos erklimmen. Nun folgt ein sehr langes Band, um weit nach rechts zu einem kleinen Türmchen zu queren. Teilweise sind wir hier auf Gehgelände unterwegs und machen gute Vorwärtsfahrt.

Spannende Linienführung und stets genug Möglichkeiten
Die erste Rastmöglichkeit nach ca. 1/3 des Steigs
Schöne Stiftpassage, die einfach Freude in jedes Ferrata-Gesicht zaubert

Die spannende Plattenzone

Am Türmchen beginnt eine etwas schwierigere Passage aus drei versetzten Leitern, die sich bei der Begehung als für uns problemlos herausstellt. Oben stehen wir nun auf einem Grat und blicken auf den spannendsten Teil des Steiges, die so genannte Plattenzone.

Die Plattenzone bietet schönes Felsgelände und wartet mit insgesamt 4 Leitern auf uns. Hier hat es einige knifflige Stellen, wenn man wie mein Bergmädl eher nicht so gross ist. Da müssen dann auch mal die Arme zeigen, was sie können. Dennoch macht es richtig Spass.

Kaum haben wir den Zick-Zack Kurs durch die Platten bewältigt, sind wir am nächsten Rastpunkt mit Bank und Steigbuch. Das Buch fehlte jedoch, als wir dort waren. Nun haben wir bereits 3/4 des Steiges absolviert und es wartet noch der Ausstiegsgrat auf uns.

Die Passage der drei Leitern, sieht zunächst schwierig aus, geht aber gut von der Hand
Impression aus der Plattenzone. Plaisir pur im alpinen Gelände
Auch die Tiefblicke lassen keine Wünsche offen

Besonderer Tourenmoment

Der Ausblick in die hohen Berner Alpen ist die Wucht auf dieser Tour. Aus nahezu jeder Lage am Steig bieten sich sensationelle Perspektiven. Unbedingt bei gutem Wetter mit Weitsicht auf den Steig gehen. Dann ist’s unvergesslich.

Einmal nach Gegenüber geschaut, hallo Sustenhorn
Blick zu Finsteraarhorn, Schreckhorn, Wetterhorn und Co.
Der Bergbursche blickt glücklich in die Ferne. Traumtag!

Ausstieg am Freschkopf

Was bisher in den Bildern zu kurz kam, hier etwas ausführlicher: Das Steigpanorama, denn das haut uns um. Jederzeit geniale Ausblicke auf das Sustenhorn, hinüber zu Wetterhorn, Schreckhorn, Finsteraarhorn und weiteren Gipfeln des Berner Oberlandes.  Einfach überwältigend!

Auf geht es in den letzten Teil des Steiges, den Ausstieg über den Freschkopf – Grat. Insgesamt warten hier fünf Leitern, aber keine wirklichen Schwierigkeiten mehr, auf uns. Den Gipfel der Gadmerflue schon fix im Blick geht es flink hinauf.

Wir erreichen den Gipfel der Gadmerflue mit dem markanten Bergführer – Monument als Gipfelkreuz. Nun können wir in alle Himmelsrichtungen blicken und bekommen den Mund vor lauter Staunen kaum zu. Wir haben perfektes Wetter erwischt. Zeit für eine ausgiebige Vesper.

Von hier haben wir schöne Ausblicke und Tiefblicke. Die Leitern selbst sind unschwierig
Das letzte Stück des Steiges ist Gehgelände Richtung Gipfel
Der Bergbursche blickt hinüber zum Sustenhorn. Sensationelles Panorama

Rückweg zur Tällihütte

Jetzt folgt der Abstieg, denn der Steig wird nun zur komfortablen Rundtour. Zu Beginn mit Steinmännchen ausgezeichnet folgt bald die weiss-blau-weisse Markierung der Schweizer Alpinwanderwege.

Nach steilem Abstieg erreichen wir den ersten Wegweiser zurück zur Tällihütte. Ab hier folgen wir dem Bergwanderweg zum Sätteli. Dafür geht es noch einmal ein wenig bergan, aber die Aussicht entschädigt.

Nun ab Sätteli noch kurz und steil absteigen und dann die letzten Meter genüsslich zurück zur Bergstation wandern.

Wir hatten einen sehr feinen Tag erwischt. Bestes Wetter und wenig Andrang. Somit hatten wir einen reinen Genusstag am Tällisteig. Der Steig selbst ist absolut lohnend und macht richtig Freude. Klare Empfehlung, nix wie hin und hoch!

Die andere Seite des Panorama. Blick zum Melchsee und Homad
Das Licht ist auf unserer Seite und schenkt uns noch geniale Bilder
Kurz vor der Tällihütte, gleich ist es geschafft