Unterwegs am

Welch erschutterte Aussicht

Irgendwie ist man ja doch manchmal ein wenig verrückt und pflegt allerlei Fetische. Ich habe da auch so einen, nennt sich Bündner-Schutt-Liebe. Weiss der Geier woher ich diesen haben, aber im Schutt wühlen finde ich anregend. Also nicht falsch verstehen, nur bis ich im Schutt bin. Dann fluche ich.

Doch zunächst gibt es hier keinen Schutt weit und breit. Die Autobahn auf das Schwarzhorn gleicht einer Flugzeugpiste und kann gemütlich entlangspaziert werden. Das Schwarzhorn ist ja nicht umsonst einer der beliebsten 3000er im Bündnerland. So wollte auch ich ihn auf meiner Liste abhaken und hoffte an diesem Mittwoch auf wenig Betrieb.

Besonderer Tourenmoment

Die Widersprüche in der Landschaft vermögen den Geist zu fordern. Hier ist es noch grün und kaum später wandelt man durch eine steinerne Mondlandschaft.

Ausser mir sah ich nur ca. ein dutzend andere Personen, die ich flugs überholte. Ich bin kein Freund überfüllter Berge. Die Franzosen nahmen es mit Humor und liessen mich vorbei. So eilte ich zum Schwarzhorn, damit ich mich schnell den beiden viel schöneren Gipfeln widmen konnte.

Die Aussicht auf dem Schwarzhorn ist tatsächlich sensationell. Zwar liegen in der Ferne einige Wolken, daher zeigt sich das Bernina Massiv nicht wirklich, doch ich geniesse die Fernsicht dennoch sehr. Hier finden sich in einer Drehung um die eigene Achse unendlich viele Touren und Ideen zum Wandern, Klettern, Fliegen und Geniessen.

Schweiz, wie ich Dich liebe, Du schönste aller Länder dieser Erde!

Doch alsbald kehre ich dem einsamen! Gipfel den Rücken. Ich hatte das Schwarzhorn für mich. Diese Tage sind hier sicher eher selten. Nun geht es weiter zum Radüner Rothorn.

Gerne wäre ich noch zum Piz Radönt, aber für eine Solo Begehung ohne Seil ist es mir dann zu steil. Der Grat brüchig, klettern bis UIAA III wenn ich nicht irre…nein, nicht allein.

So begnüge ich mich mit dem Radüner Rothorn, welches weglos (Spuren vorhanden) durch ersten Schutt erklommen wird. Dieser Blockschutt ist fein, hier kann ich Felsenspringen. Ich liebe die Dynamik der Bewegung in Blockfeldern und hoffe immer, das ich nicht umknicke oder hängenbleibe.

Besonderer Tourenmoment

Die Farbenspiele sind gewaltig. Hier sieht man, was ein ehemaliger Gletscher alles geschliffen hat. Übrig sind nur seine Spuren.

Ich folge den Steinmandli zum Gipfel, auf dem noch mehr Steinmandli warten. Zeitweilig lohnt es die Hände beim Aufstieg zu bemühen, aber es bleibt unschwierig und ist nicht ausgesetzt. Wandergenuss!

Auch auf dem Radüner Rothorn ist die Aussicht vom allerfeinsten. Natürlich gleicht sie in etwa derer vom Schwarzhorn, doch habe ich abermals Glück mit dem Licht und so gelingen erneut kalenderwürdige Bilder.

Der Abstieg folgt der Aufstiegsroute, jedoch quere ich bereits früh Richtung Pt. 2802 ein, da ich nun einen Durchschlupf zum Chli Schwarzhorn finden möchte, der so hoch als möglich liegt. Ein paar Höhenmeter sparen, die Energie werde ich sicher noch brauchen…so mein Gedanke.

Bereits auf knapp 2800 Meter quere ich nach links in ein grober Blockfeld. Das ist was für Liebhaber und nicht unbedingt nötig. Man kann auch erst noch dem Wanderweg folgen. Denn erst etwas unterhalb von Pt. 2779 passiere ich den Ostgrat vom Schwarzhorn und steige in das Tal des Schutts Richtung Chli Schwarzhorn. Hier rutscht es schon gewaltig und steil ist es auch. Bald bin ich auf knapp 2650 Meter abgestiegen. Das war nicht der Plan.

Jetzt wird der Schutt feiner und fieser. Ich komme nur langsam vorwärts, wie ein Ozeandampfer bei Wellengang. Ein Weg ist hier nicht vorhanden, jeder suche sich selbst die beste Route. Ich peile in die Scharte bei Pt. 2851 und möchte von dort über den Grat auf das Chli Schwarzhorn. Es erscheint mir logisch.

Besonderer Tourenmoment

Die Fernsicht und die Ausblicke auf dieser Tour bleiben mir sicher noch lange im Gedächtnis. Hier bekommt man viel geboten.

Am Schlussanstieg zur Scharte geht es kaum noch vorwärts. Es wird steil und feinschuttig. Heia, ist das eine Rutscherei. Ich quere nach rechts in die Felsen. Die sind auch nicht wirklich stabil, aber besser zu greifen und treten. Je nach Wahl des Weges Kraxelei bis in den zweiten Grad. So erreiche ich doch noch recht einfach den Grat. Der Schlussaufstieg zieht sich dann noch etwas, aber ist unschwierig. Die Hände braucht es dennoch.

Dafür geht der Abstieg rapide. So macht Schutt eine Freude. Rutschpartie ins Tal, danach zurück über gröberen Schutt bis wieder der Wanderweg Erleichterung bedeutet. Staub abklopfen, Schutt aus den Schuhen schütten. Glücklich sein!

Das Schwarzhorn ist überlaufen an schönen Tagen und daher keine Empfehlung, wäre da nicht die sensationelle Aussicht.

Radüner Rothorn und Chli Schwarzhorn sind definitiv einen Abstecher wert. Generell ist es sehr schön und abwechslungsreich hier und die Eindrücke wirken lange nach.

Der Schutt am Chli Schwarzhorn darf aber nicht unterschätzt werden, der kostet richtig Kraft und Konzentration.

Besonderer Tourenmoment

Dieser endlose Bruch und Schutt. Man liebt es oder man hasst es. Doch so oder so zaubert es eindrückliche Landschaften, die begeistern.

Daten der Tour

Strecke 13.5 km | Höhenmeter 1350 | Höchster Punkt 3146 Höhenmeter | Schwierigkeit T2 – T5 (SAC – Skala), UIAA I

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