Gratwanderung über Juf

Die Gipfel rund um Juf

Start und Ende sind jeweils in Juf im Averstal.
Mein Plan: Es hat 4×3000, dazu einige Gipfel mehr und feinsten Bündner Schieferbruch. Das alles mehr oder weniger über den Gratverlauf, einmal quasi als U rund herum. Der Plan in Routenpunkten (kursiv: nicht bestiegen):
Juf – Wengahorn – Schninetahörner – Juferhorn – Mingalunhorn – Grauhörner – Piotjoch – Piz Piot – Juferjoch – Piz Turba – Piz Mäder – zurück zum Piz Turba – Piz Forcellina – Forcellina – Fuorcla da la Valletta – Uf de Flüe – Stallerberg – Flüeseen – Foppaspitz – Juf

Ich starte um 8 Uhr in Juf und ziehe weglos hoch zum Wengahorn. Das gibt den Beinen gleich gut eine Einstimmung auf die Tour. Es war erwartbar einsam. Doch die Aussicht ist schon beim Beginn des Grates einfach fantastisch.

Im weglosen Aufstieg zum Wengahorn
Blick zurück nach Juf
Welch eine prächtige Aussicht durch das ganze Avers Tal

Eine geniale Gratlinie

Hier soll es also lang gehen, über einige Gipfel habe ich Berichte bei hikr gefunden, manche gut, andere eher knapp und fragwürdig. Aber der Grat schaut so verlockend aus, brüchig, schuttig und vor allem einfach zu begehen.

Ich mag Bruch, Block und derlei Gestein. Die Spielarten sind einfach faszinierend anzusehen und ähm, ja, auch zu begehen. Immer weiter den Grat entlang, der Dinge harrend die kommen werden. Ich weiss nur dass es irgendwo was zum abseilen geben soll. Aber davon ist nichts in Sicht. Noch bin ich aber auch nicht beim Mingalunhorn.

Ein Blick zurück zum Wengahorn
Was die Natur erschafft, ist immer wunderschön
Der weitere Wegverlauf über den Grat

Der berühmte Bohrhaken

Es wird schuttiger, es wird bündnerischer. Es wird prächtig, ich laufe heute meinen neuen Bergschuhe ein, nachdem die alten irgendwie geschrumpft sind. Eine Erklärung habe ich nicht dafür, aber die Füsse passen nicht mehr rein. 

Und kaum bin ich auf dem Mingalunhorn, finde ich auch den Bohrhaken, dankenswerterweise gleich mit einem Maillon Rapide.  Ich schätze die Stelle auf ca. 10 Meter, abkletterbar ist sie jedenfalls auch…aber abseilen macht Spass. Ausserdem hab ich das Seil mitgeschleppt!

Blick hinunter. Wäre auch kletterbar
Aber Abseilen ist halt einfach Spass

Die Schlüsselstelle der Tour

Damit sollte es nun leicht sein die Tour zu beenden, keine Schwierigkeiten zu erwarten. Und so ist der Anstieg zu den Grauhörner auch Schutt- und Blockplaisir a la carte. Kaum erreiche ich den Gipfel, holla die Bergfee, das wird wohl doch etwas schwieriger mit der Überschreitung. Allenthalben geht es senkrecht runter, mit viel Luft für Flugbegabte. 

Mit gutem Auge erkenne ich so etwas wie Seil und eine Leiter. Ein Klettersteig? Hier? Dann ist das ja locker machbar. Also los.  (Bevor hier jetzt falsche Gedanken aufkeimen: Ja, ich war froh, hat es das Seil und die Leiter dort gehabt und mein Dank gehört den Einrichtern, definitiv. Andernfalls hätte ich zurück gemusst und in einer Umgehung viel Zeit verloren.)

Die Leiter ist hier Gold wert, wenngleich auch wacklig
Der komplette Abstieg vom Gipfelkopf, das ist hier definitiv T6
Im Abstieg von den Grauhörner mit Blick zum Piz Piot und seinen beiden Gipfeln

Auf zum Piz Piot und Piz Turba

Der weitere Gratverlauf ist harmlos hingegen und bald sehe ich schon Richtung Piz Piot inklusive Nordwestgipfel, Abstieg zum Juferjoch. 

Doch vorher am Piotjoch stehen zwei herrenlose Rucksäcke rum. Dort wo ich auch Pause machen möchte. Ich hab mich keine 5 Minuten gesetzt kommen zwei Wanderer vom Piot runter und fragen mich was ich da mache….habe ich doch was zu essen und zu trinken in der Hand. Sie dachten, ich wollte ihre beiden ca. 40 Liter schwerbepackten Rucksäcke klauen…als hätte ich nichts besseres zu tun…und dann alleine damit ab nach Juf teleportieren? 

Ich erkläre Ihnen das alles in Ordnung sei, ich Pause mache, erläutere meine Tour. Nun sind sie etwas baff und wir haben ein sehr angenehmes Gespräch. Ich verabschiede mich mit den Worten „In den Bergen gibt es keine bösen Menschen*“ (*ausser auf Hütten)

Rückblick zum Piotjoch und dem Abstieg von den Grauhörnern
Vom Juferjoch hinauf zum Piz Turba, immer dem Grat folgend
Hier ein Blick das komplette Tal in Richtung Juf und weiter

Via Piz Forcellina zurück nach Juf

Der weitere Verlauf der Tour Richtung Piz Turba. Einfach immer dem Grat folgen, dann und wann in die Flanke ausweichen, ab und an Steinbockrudel sehen. Einfach genial. Die Schwierigkeiten übersteigen hier T4 nicht und es hat Wegspuren den zu Folgen unschwer ist. Häufig weicht man in die linke Flank aus und „schuttet“ sich so durch.

Auf dem Piz Turba ist die Fernsicht einfach atemberaubend. Nur ins italienische sieht man vor lauter Wolken nichts. Somit habe ich bereits den dritten 3000er im Sack.

Von hier steige ich nun Richtung Forcellina ab, um dann noch den Piz Forcellina über den Ostgrat zu besteigen. Dies ist ebenfalls gut machbar und rangiert zwisch den T4 und T5, je nach Routenwahl. Wieder zurück an der Forcellina beginnt der steile Abstieg gen Juf, wo ich meine Tour mit einem Kaffee und einem Stück Torte beende.

Das nenne ich eine zünftige Runde. Ich war am Ende meiner Kraft, als ich zurück nach Juf kam. Doch es hat sich gelohnt. Alpine Herausforderungen und sensationelle Ausblicke haben mich umfangreich belohnt. Und ich habe viel über mich selbst gelernt.

Na? Sehnsucht? Ja, Sehnsucht. Wir sehen die Bernina Gruppe in der Mitte des Bildes, wie sie uns zuwinkt
Rückblick durchs Tal zu den Zielen von heute
Blick Richtung Juf am Ende der Tour