und seine Hörner

Kraxelspass mit Aussicht

Ich bin ein Suchender. Ich suche stets nach feinen Touren mit vielen Gipfeln. Warum? Keine Ahnung, aber ich stehe gerne auf Gipfeln. Ich mag Gipfelparaden. Vielleicht ist da mal etwas schief gelaufen bei mir, irgendwann.

Und wie ich so über die Swisstopo fahnde finde ich Madrisa. Und denke mir: Ja, fein! Und schon stand diese Tour fest. Da darf auch das Madrisahorn nicht fehlen, zumal es etlichen Kraxel- und Kletterspass verspricht.

Jeder weiss es – Bündnerland ist Munggäland. Und schon pfeift es auch vor hier und dort. Zunächst sehe ich diese wunderbaren Gesellen gar nicht, doch dann sind sie überall. Ich mag Murmeltiere einfach, sie sind so herzig. Und sie begleiten meinen Weg. Dieser führt nun vom Geisshorn zum Bockhorn und weiter zum Saaser Calanda. Das einfaches Wandergelände im Bereich T2.

Hallo? Wer stört?

Besonderer Tourenmoment

Hier ist definitiv Munggä-Land. Überall sieht man die putzigen Murmelis flitzen und pfeifen. Zum Glück sind sie noch nicht zutraulich, sondern scheu.

Es geht zügig vorwärts, der Wanderweg beschleunigt die Reise. Der Saaser Calanda ist nicht mehr als ein kleiner Zwischenstopp, doch ab hier beginnt endlich richtiger Fels. Oder das, was einmal Fels war. Es ist eher Schutt und Blockgestein. Dennoch ist das Rätschenhorn schnell erreicht.

Die Aussicht blieb heute etwas auf der Strecke, die Fernsicht ist eingeschränkt und gute Bilder sind mir leider nicht gelungen. Dennoch hat es vom Rätschenhorn eine feine Aussicht bis zur Sulzfluh, Drusenfluh und Schiejenfluh auf der einen Seite, zur Weissfluh auf der anderen Seite.

Ich ziehe jedoch fix weiter, denn mein Hauptziel ist das Madrisahorn. Dazu sind die ersten Schneefelder zu queren, hier jedoch sehr harmlos. Leider sind sie bereits etwas sulzig, ich sinke teils stark ein. Doch allzubald stehe ich schon am Rätschenjoch.

Mehr ein Skigipfel, definitiv. Und dennoch kein oft begangenes Ziel. So erscheint das Madrisahorn vor meinen Füssen. Ein zünftiger Berg, der Freude verspricht. Ich staune noch etwas ob des Westgrates, sieht er zunächst leicht aus, scheint es eine schwierigere Stelle gegen Ende zu haben.

Also versuche ich zunächst diesen direkten Weg. Ab Rätschenjoch steigert sich die Schwierigkeit vom blossen Wandern zum Kraxeln und wird zum Ende ein Klettern im vielleicht knapp II. Grad. Dann stehe ich an der besagten Schwierigkeit und denke mir…griffig ist es schon. Aber steil und ausgesetzt. Aber griffig ist es schon. Doch was kommt danach? Ich kann es nicht genau einsehen. Die Vernunft siegt, das Herz weint.

Ich weiche in die Nordflanke aus. Das ist am heutigen Tag gleichbedeutend mit einem Eiertanz um sulzige Altschneefelder (meine Steigeisen und meinen Pickel hab ich natürlich nicht dabei) und ein kraxeln bis zum II. Grad.

Blick vom Gipfel des Madrisahorns

Besonderer Tourenmoment

Die Aussicht vom Madrisahorn ist spektakulär. Man sieht richtig weit ins Bündnerland hinein. Gipfelziele so viele das Auge zu sehen vermag.

 Ich quere also vom Westgrat in die Nordflanke und weil ich Schnee und Schutt meide, mache ich es mir klettertechnisch schwerer als ich muss. Aber ich hab Spass, das ist die Hauptsache.

Hinter dem Vorgipfel, den ich in der Nordflanke umgangen bin, komme ich wieder auf den Gipfelgrat. Ein unschweres dahingehen. Bald schon stehe ich auf dem Gipfel, der nur von einer Holzstange verziert wird. Aber es hat eine Gamelle und ein Gipfelbuch, von 1988. Darin vielleicht 60% befüllte Seiten. Hier ist wirklich nicht viel los.

Die Aussicht aber ist sensationell. Also nicht heute, aber generell. Ich kämpfe bei den Bildern mit Wolken und Dunst…

Für den Abstieg teste ich noch einmal den Westgrat. Ich mag mir das noch einmal von oben besehen. Und meine Vernunft hatte Recht. Mal eben so klettere zumindest ich das nicht. Aber es ist sicher gut möglich, jedoch meine ich, es geht in den satten, dritten Grad. Ich würde wohl für das kleine Stück zum Seil greifen wollen. Ob ich hatte an diesem Tag einfach ein wenig Schiss.

Somit wähle ich zum Abstieg die Südflanke. Das ist mit Plaisirkraxeln möglich und verkürzt den weiteren Weg zum Sant Jaggem und Bärnet. Dabei geht es hauptsächlich über Blockgestein, unschwierig und mit viel Freude.

Ein Alien aus fremder Welt

Besonderer Tourenmoment

Das hier ein Skigebiet ist, wird schnell deutlich an den vielen Bergbahnen. Diese hier ist neu gebaut und die Station ragt wie ein Alien in die Weite des Raums.

Der Mensch und die Landschaft. Wir leben einmal in Symbiose und dann wirken wir doch arg fremd. Im Spannungsfeld des Natürlichen und der Artefakte künstlicher Schaffenskraft bewegen sich meine Gedanken bei der neuen Madrisabahn aufs Schaffürggli. Faszinierende Perspektiven ergeben sich.

Es ist eben doch ein Skigebiet und sicher ein feines dazu. Der restliche Abstieg meiner Tour ist einfach und schnell über Wanderwege zurück zur Bergstation. Dort könnte ich – dummerweise habe ich bereits Retour gelöst für die Bahn – auch mit dem Monstertrotti abfahren. Sicher ein Spass!

Trotz der starken touristischen Ausbauten ein sehr schönes Gebiet für Wanderer. Die Tour ist mit vielen Eindrücken und Ausblicken ein Garant für einen guten Bergtag.

Und das Madrisahorn bietet feine Kraxelei und Kletterei. So wird ein Saison-Highlight gemacht. Diese Tour bleibt mir in Erinnerung!

Schnelle Abfahrt garantiert

Besonderer Tourenmoment

Wer kein Freund der Bergbahn ist, der kann hier auch zum Monstertrotti greifen. Die Abfahrt ist sicher ein Spass mit diesen Verhikeln!

Daten der Tour

Strecke 16.5 km | Höhenmeter 1400 | Höchster Punkt 2825 Höhenmeter | Schwierigkeit T5 (SAC – Skala), UIAA II

Hier muss Dein Bergerlebnis noch nicht enden!

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