Reisen mit Diabetes Typ 1

Zuckerschlecken gibt's nicht gratis

Meine Freundin Sabine ist seit November 2015 Diabetikerin. Sie hat die Diagnose Typ 1 mit über 30 Jahren erhalten. Danke, Autoimmunerkankung! Dieser Artikel ist daher von ihr geschrieben. Zudem wird sie die Reise aus ihrer Sicht kommentieren. Das hilft euch anderen Diabetikern da draussen sicher gut weiter. Stay strong!

Neuseeland – ein Lebenstraum seit Jahren und dann kommt einfach was dazwischen. Nicht irgendwas sondern eine Bauchspeicheldrüse mit Extras – oder besser eine, die in Pension geht. Die letzten beiden Jahre waren sicher nicht einfach: geplanter Umzug in die Schweiz (der Liebe wegen), Diagnose, Verzögerungen, Jobsuche, Umzug in die Schweiz, … neuer Lebensplan und dann immer noch der Wunsch… Neuseeland wir kommen.

Wir sind Helden, keine Opfer

Lebensträume sind dafür da, gelebt zu werden. Hindernisse müssen überwunden werden und geben Kraft.

1.000 Gedanken – schaff ich das?! 11 Stunden Zeitunterschied, zum 1. Mal im Leben Mehrtagestouren mit mehr Gepäck. Ein untrainierter Körper… macht das der Zucker mit?

Der Zucker bestimmt 😉 aber ich? Nicht aus der Ruhe bringen lassen. Dank seelischer Unterstützung durch den Bergburschen wird das die beste Zeit meines Lebens – das spür ich. Und sch… auf den Diabetes – der ruiniert mir das nicht. Nicht naiv, aber mit Vorbereitung gehe ich das Projekt an und ich bin optimistisch (okay mit wenigen Ausnahmemomenten), dass alles gut gehen wird. Es geht los… 

Zuckerbrot und Spritze

Auf zum Arzt

Der Arztbesuch bleibt nicht aus. Bereits von den vergangenen Reisen weiss ich, dass ich ein Schreiben benötige (auf Englisch), auf welchem festgehalten wird, was ich alles im Gepäck haben muss: Insulin, Pen-Nadeln, Teststreifen und als glückliche Freestyle Libre Userin, auch diese.

Meine Diabetologin ist spitze und versteht mein Fernweh - auf Ihrem Desktop läuft die Südafrika-Diashow. Die Migros-Kaubonbons werden mir noch empfohlen und eine Handvoll auf den Weg mit gegeben: Wenn die Werte während der Reise mal höher sind, ist das auch okay...

Das Materiallager

Insulin, Teststreifen und Sensoren vertragen keine Kälte - kann ich verstehen. Also ist das Checked-in-Luggage keine Option. Der ganze Mist muss ins Handgepäck - toll!!! Damit ist die Hälfte meines Rucksacks schon voll. Der Reiseführer passt kaum noch rein.

Da der Bergbursche ein Netter ist, darf ich etwas Tüddelkram bei ihm ins Gepäck stecken 😉 Den Zucker lass ich aber besser bei mir, sonst ist er weg, bevor wir am Flughafen angekommen sind... Aber ein komisches Gefühl ist schon dabei - schnell noch ein Ersatzgerät eingepackt.

Luck favors the prepared

In Neuseeland, aufgrund der Mehrtagestouren, die der Bergbursche geplant hat (oh weh), lasse ich Vorsicht walten: eine Glucagon-Spritze ist mit im Gepäck - natürlich auch auf dem Schreiben der Ärztin festgehalten.

"to taste the sweet, I faced the pain" - gerade läuft Whitney über Spotify... Was soll ich sagen: Ich hoffe, der "pain" ist nicht zu gross. Das Glück ist auf unserer Seite - ich spür das. So lange arbeiten wir auf diese Ferien hin und morgen ist es soweit: Da schmeckt das Glas Rotwein zur Silvesternacht gleich noch viel besser. Ja, auch ich trinke Rotwein gerne.

Zum Thema Rotwein
Ja, auch meine Werte spinnen am nächsten Tag. Aber inzwischen weiss ich damit umzugehen: Nüsschen. Ich liebe Nüsse. Und es rechtfertigt die unverhältnismässig hohe Aufnahme am Abend. Plus Basalinsulin reduzieren. Stärkeren Alkohol vermeide ich dann doch.

Aber klar, auch ich habe meine Grenzen: Nach einer Flasche Rotwein machen wir beide sowieso schlapp 😉 

Übrigens: Der Bergbursche ist gebürtiger Rheinländer. Gemeinhin sagt man zu denen auch Kölner. Bevor ihr also einen Shitstorm wegen irgendetwas hier abfeiern wollt, denkt an einen der Grundsätze der Kölner! Jeder Jeck ist anders. Einfach lääve un lääve lose!

Vorbereitung ist wichtig

Es ist wichtig sich rechtzeitig alle nötigen Sachen zu besorgen, die 7 Wochen Ferien mit sich bringen. Für mich sind das vor allem genug Sensoren.

Zum Thema Vorsicht
Ich bin nicht nur vorsichtig: Ich bin kontrollig. Mein Sicherheitsbedürfnis ist eines der grössten – fragt den Bergburschen. Es läuft alles nicht so easy wie beschrieben – Tausend Gedanken, Zweifel (und ich meine hier nicht die Kartoffelchips, für die der Bergbursche töten würde)… 

Ich muss vorbereitet sein: Kurz den Diabetes-Verband in Neuseeland angeschrieben, Diabetiker-Blogs gelesen… Ach ja, Auslandskrankenversicherung: keine Übernahme von Kosten bei bestehenden, chronischen Krankheiten, aber ich bin ganz ruhig: 
stay strong.  

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