Über und Stein

Nächsten Tags habe ich Geburtstag, doch heute ist das Wetter schön. Und die Freundin hat extra Ferien genommen und mag ebenfalls an die Sonne, etwas gegen die Blässe und den Wadenkalk unternehmen. Was tun? Was tun? Oh je, oh je. Eine zu heftige Tour und wir bleiben morgen daheim, eine zu bequeme Tour und wir haben beide keine rechte Freude.

Ich stöbere in meiner Tourensammlung. Das ist eine Anhäufung von Ideen und Träumen. Und es gilt immer wieder die Perlen von den Sandkörnern herauszufinden. Doch der Gantstock, besser seine Überschreitung, das ist so eine Perle. Im schönen Glarnerland.

So fahren wir mit der Bahn hoch zum Stausee Garichti und beginnen unsere Tour zunächst noch sehr touristisch. Wobei, ich bin ehrlich, das neue Berghotel Mettmen ist gar prächtig geraten!

Besonderer Tourenmoment

Das Berglimattseeli verzaubert mit seinem Blau und wird im Hintergrund von Ortstock und Höch Turm begleitet. Hier lässt sich verweilen und geniessen.

Bis hierher ist es ein schöner Marsch in einfachem T2 Gelände. Zwar geht es ab und an steil hoch, doch nicht schwierig. Nun queren wir, auf guter Wegspur, Richtung Gantstock. Zunächst noch im Bereich T3, stehen wir jetzt vor einer steilen Grasflanke mit Altschnee. Das ist heute eine T4+, aber gut machbar dank Stockeinsatz.

Der weitere Weg auf den Gantstock ist unschwierig, jedoch kann man ein wenig Fels greifen und genüsslich steigen. Und schon stehen wir oben…gut, vorher habe ich noch ein wenig gespielt und geklettert. Das ist für die Tour vollkommen unnötig, aber gut für meine Bergseele.

Wer sich fragt, was ich da am Allerwertesten trage. Das ist ein FETZERL. Es schützt meine Hose vor Schweiss vom Rücken. Denn ich schwitze mit Rucksack immer sehr schnell. Geniales Stück Stoff, ich mag es nicht mehr missen. Danke an den Erfinder!

Die Aussicht ist richtig prachtvoll heute. Die Glarner Bergwelt in all ihrer Schönheit. Die Bündner Berge gesellen sich dazu und winken herüber. Welch ein Panorama. Es legt sich wie Balsam auf meine Seele und der Kopf plant schon wieder neue Touren. Es gibt noch so viele Gipfelziele.

Bei dieser erhabenen Ansammlung von Prominenz habe ich mir die Freiheit erlaubt einige Portraits zu schiessen. Der Gantstock ist eine Bühne der Berge, derer als Zuschauer ich glücklich bin. Natürlich geht der Blick auch zum Glärnisch Massiv, doch das habe ich ja schon vorher bestens abgelichtet.

Es sind die kurzen Momente abseits der grossen Berge, die uns Glückseeligkeit schenken. Die Details der Natur am Wegesrand. Blumen, Tiere, ja das Leben in seinen vielen Facetten.

Besonderer Tourenmoment

Es sind nicht immer die Weitsichten und Gipfel, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Hab Achtsamkeit vor der Natur, auch gegenüber den kleinen Wundern!

Nach dem Hauptgipfel kommt nun die Überschreitung des Gandstöck. Hat es bis hier noch andere Wanderer, so sind wir ab sofort alleine unterwegs. Wir folgen problemlos dem Grat zum Nordgipfel der Gandstöck. Das ist wandern und dann und wann leicht kraxeln. Hier hat es auch noch gut Altschnee, doch die Felder lassen sich umgehen.

Spannender wird nun der Abstieg über den Grat, denn der ist voller Blockfels. Tritte prüft man besser vorher, aber schwierig ist das dennoch nicht. Die Ausgesetztheit ist minim wenn überhaupt vorhanden, lediglich die Wegfindung erfordert ein klein wenig Gespür. Es ist wahrscheinlich schöner über den Grat aufzusteigen.

Den Rückweg treten wir über einen alten alpinen Weg an, der kaum mehr begangen wird. Das ist teilweise mühsam und steil, die Wegspur zugewachsen. Dafür bieten sich schöne Aussichten in die Glarner Berge. Bis wir am Schluss wieder die Bergstation erreichen und entspannt ins Tal gondeln.

Wunderbare Tour mit alpinem Einschlag und sensationeller Fernsicht. Weder überlaufen noch zu schwierig ist diese Tour eine klare Empfehlung an alle Bergwanderer, die gerne auch mit etwas mehr „Anspruch“ unterwegs sind.

Besonderer Tourenmoment

Das Glarnerland hat viel zu bieten. Besonders die Enge des Tals und die Gipfelpromienz lassen staunen. Das Gute ist manchmal so nah!

Daten der Tour

Strecke 10.5 km | Höhenmeter 900 | Höchster Punkt 2314 Höhenmeter | Schwierigkeit T4 (SAC – Skala)

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