Vorder Glärnisch Quickie

Time to sprint

Der Vorder Glärnisch ist eine massive Erscheinung. Wie eine Trutzburg steht er am Eingang zum Klöntal und hält Wache. Vielfach bin ich schon an ihm vorbeigefahren und jedes Mal habe ich mir geschworen, dort aufzusteigen.

Heute ist es nun endlich soweit. Allerdings habe ich mir gedacht, ich könnte meine Geschwindigkeit testen. Bei hikr.org habe ich gesehen, dass ein Mitglied in 69 Minuten aufgestiegen und 43 Minuten wieder abgestiegen ist. Die Messlatte ist also hoch.

Der Vorder Glärnisch gilt als T4 Referenztour. Wer also einmal vom Bergwandern zum Alpinwandern übergehen mag, der kann sich hier ausprobieren. Der Weg ist an allen entscheidenden Stellen versichert, die Markierungen sind reichlich und sinnstiftend vorhanden.

Und ja, es geht auch zünftig zu. Der Weg ist meist steil und im oberen Bereich geröllig. Das bringt alpines Flair in die Voralpen. Definitiv ein gutes Übungsgeländer für Alpinaspiranten.

Das gewaltige Glärnischmassiv. Vorne der Vorder Glärnisch, dahinter Vrenelis Gärtli
Blick hinauf zu Vrenelis Gärtli, das bereits im Sonnenlicht erstrahlt. Im Vordergrund das spannende Gelände abseits des Wanderweges

Auf zur Alp Gleiter

Der Weg beginnt harmlos auf etwas feuchtem und schlammigen Grund. Alsbald überhole ich eine erste kleine Gruppe, doch ansonsten bin ich ziemlich alleine unterwegs. Zumindest denke ich das jetzt noch. Ich komme gut vorwärts, allerdings habe ich meine Alpinwanderausrüstung dabei. Mit Trailrunning Ausrüstung wäre ich definitiv noch einmal schneller unterwegs.

Langsam fallen die ersten Sonnenstrahlen auf die Gipfelspitzen, doch der Aufstieg bleibt bis zum Schluss im Schatten. Das hilft beim Tempo.

Die Alp Gleiter liegt bereits hinter mir und noch immer fühle ich mich fit. Klar, die Schenkel brennen leicht von der Steilheit des Geländes, aber dennoch stapfen sie tapfer Schritt um Schritt voran. Die Tour macht Laune und ist wirklich spannend zu gehen. Eine klare Empfehlung.

Die erste Versicherung. Solide Ketten und Seile helfen an den schwierigeren Stellen
Falls nötig hat es auch Eisen im Fels. Gut zu erkennen die Markierungen für Alpinwanderwege in weiss-blau-weiss

<2 Stunden zum Gipfel

Ich bin gut in der Zeit und mache Strecke. Bald sehe ich einer Dreiergruppe vor mir. Wie früh diese Drei wohl gestartet sind. Kurz unterhalb des Gipfels entdecke ich eine weitere Dreiergruppe und so langsam kommen mir Zweifel. Bin ich so langsam unterwegs? Sind die alle schon um 5 Uhr los? Egal, weiter geht es, ich möchte unter 2 Stunden brauchen für den Gipfel.

Nach 1:57 Stunden stehe ich auf dem Gipfel. Neben den beiden Dreiergruppen sind noch 2 Einzelwanderer oben. Auf dem Weg nach oben ist mir ein weiterer Wanderer entgegen gekommen. Ich bin also Nr. 10 auf dem Gipfel für heute…und es ist nicht einmal 9 Uhr. Was wird da noch alles kommen?

Typisches Gelände während der Tour
Unterhalb des Gipfels, jetzt ist es nicht mehr weit. Aber steil bleibt es

Etwas Pause tut gut

Ich bleibe knapp eine halbe Stunde auf dem Gipfel, geniesse die Aussicht und fülle meine Bergseele mit Eindrücken. Hunger habe ich keinen, daher beschränke ich mich auf einen Kornriegel und Wasser.

Vor mir liegt noch der Abstieg und ich habe noch immer meine Zeit im Kopf. Unter 3 Stunden wäre genial. Also verabschiede ich mich vom Gipfel und beginne teils im Laufschritt meinen Weg nach unten.

Es geht gut vorwärts, nur gebremst durch die aufsteigenden Menschenmengen. Und das sind einige. Viele. Massen. Ich zähle knapp 40 Personen, die mir entgegen kommen, bis ich wieder in Hinter Saggberg bin. Wirklich Zeit kostet es mich aber nicht. Die verliere ich eher durch die feuchten Steine im unteren Drittel, wo ich meine Geschwindigkeit senken muss.

Der Gipfel liegt noch im Schatten, ist aber gut bevölkert
Blick ins Tal, einfach nur genial. Wie oft habe ich von dort schon hinaufgeschaut
Tiefblick zum Klöntaler See. Das kann sich sehen lassen und begeistert

Section Headline

Am Ziel angekommen stoppe ich die Zeit. Mein Uhr zeigt 3:25 Stunden. Davon abzuziehen ist die Pause am Gipfel mit 27 Minuten und die zahlreichen Foto-Stopps, die ich mit 6 Minuten bewerte (ca. 40 Bilder mit dem Smartphone). Macht 33 Minuten für den Abzug und somit eine reine Zeit von 2:52 Stunden. YEAH!

Da brennt der Bürzel! Warum tue ich mir das nur an? Weil ich es kann und wissen will. Sinn? Keiner für andere. Aber für mich war es bitter nötig.

Und ja, ich werde mir wieder etwas vergleichbares suchen und erneut meine persönliche Grenze testen.

Das Glärnischmassiv präsentiert sich stolz im Sonnenlicht. Dort wird heute auch der Bär los sein
Fluchten, Schluchten und Aussichten. Der Vorder Glärnisch kann eine Menge bieten
Versöhnlich strahlt mir der Klöntaler See entgegen. Jetzt ein Bad, doch das bleibt mir verwehrt
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